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Freitag, 22. November 2013

Wo bin ich denn hier gelandet?

Ein Kranich, ein Samen und Entspannung.
Der gestrige Tai Chi/ Gi Qong-Kurs ließ mich doch ein wenig zweifeln.
Es fing harmlos an, ein paar Runden Gehen, Fuß- und Hüftkreisen... und dann kam schon der erste fragwürdige Moment. Zur Erwärmung sollten wir eine Übung aus dem Gi Qong machen, einen Kranich, der gerade losfliegen möchte. Erst ganz langsam, was vermutlich noch relativ ansehnlich war und dann sollten wir immer schneller werden. Der Übungsleiter machte es vor. Bis zur Hälfte der Geschwindigkeit bin ich noch mitgekommen, dann schaute ich mir das Ganze lieber mit vorgehaltener Hand an und konnte mir das Kopfschütteln nicht verkneifen. Es sah wirklich so aus, als wollte er jeden Moment abheben und die anderen waren bemüht, seiner Schlagfrequenz zu folgen.
Dann ging es weiter mit den Atemübungen, allerdings mal ohne den goldenen Faden der mich nach oben zieht.
Da wir weiter an unserer Choreografie üben wollte, erzählte er uns, dass nach dem Wasser, das Holz kommt. Um uns besser in dieses Element hineinzufühlen, folgte eine kleine Übung. Jeder sollte sich eine Matte nehmen und die Geschichte, die er uns im Anschluss erzählte, mit Körperbewegungen nachempfinden. Er erzählte von einem kleinen Pflanzensamen, der gefangen war in seiner harten Schale und mit der Hilfe von Sonne und Wasser aufbrach und langsam austrieb, immer größer und größer wurde, langsam einen festen Stamm und tiefe Wurzeln ausbaute, eine kräftige Krone bekommt in der Vögel nisten...vermutlich hat jeder eine kleine Idee, wie man dies mit seinem Körper umsetzen kann. Ich natürlich auch,
Samen bricht auf: Arme ausstrecken
Pflanze wird größer: langsam von der Hocke in den Stand
Krone: Arme vor den Körper.
Soviel dazu. Als ich jedoch in die Hocke kam, sah ich die anderen Kursteilnehmer und ich fragte mich ernsthaft: Habe ich Tablettenausgabe vor dem Kurs verpasst??? Die Frau von Frankenstein war mindestens genauso amüsiert wie ich und wir freuten uns beide über das Engagement der anderen. Sie hatten alle ihre Augen geschlossen und waren mit ihren Gedanken zu 100% bei bzw. in ihrem Baum. In welcher Selbsthilfegruppe bin ich denn hier gelandet? Und bin ich angespannt, weil ich nicht zum Baum geworden bin? Haben sie sich mit der Yoga-Tante vom Kaffeeklatsch abgesprochen? Beim besten Willen konnte ich mich nicht mit dieser Situation anfreunden. Ein Grasbüschel der im Wind weht,ja, aber den Werdegang eines Baumes konnte ich absolut nicht nachfühlen.  Zum Glück war die Gesichte nicht allzu lange, sodass wir schnell etwas anderes machen konnten.
Wie gesagt, nach dem Wasser kommt das Holz. Das Holz steht für den Frühling, den Osten und beim Kochen für die Zubereitungsart "Dämpfen", aha. Es gibt wohl auch einige Kochbücher zu diesem Thema, für welche man aber vermutlich ein Studium ablegen müsste.
Zum Ausklang der gestrigen Stunde gab es noch eine Entspannungsübung. Wir sollten in jeden Teil unseres Körpers hineinhören, wie entspannt doch alles sei. Das mag ja noch in Ordnung sein, aber Formulierungen wie " Es breitet sich eine warme Welle in unserem Bauch aus", bringt mich sofort wieder zurück in die Realität, da ich unweigerlich an die Peristaltik meines Magen-Darm-Traktes denken muss. Auch Aussagen wie "Unser Kiefergelenk ist ganz locker" sorgte bei mir eher für Aufheiterung, da, wie mein Zahnarzt mir ja erklärte, gar nicht der Fall sein kann, denn sonst würde unser Unterkiefer nach unten klappen. Dieses ist zum Glück bei keinem passiert...

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